Autofahrer auf e-Bikes, ist ja Urlaub....

Dieses Thema im Forum "Cafe Reisefuchsforum - Offtopic & More" wurde erstellt von masi1157, 20. Juni 2020.

  1. masi1157

    masi1157 Reisefuchsforum Legende

    Registriert seit:
    12. Januar 2011
    Beiträge:
    3.823
    Moin!

    Ich reise ja seit Jahrzehnten nach Amrum, und ich habe fast immer ein Fahrrad dabei. Amrum ist nicht komplett autofrei, aber es gibt nicht wirklich viel Strecke, die man nicht auch zu Fuß, per Bus, und insbesondere per Fahrrad bewältigen kann. Von Südspitze (Fähranleger) bis Nordende des Asphaltdeichs sind's 10km. Also ist und war Amrum schon immer eher fahrradlastig.

    Ich selber bin ans Fahrrad gewöhnt, fahre zügig bis schnell, fahre rechts, achte auf Vorfahrt und Vorrang von Fußgängern, habe im Dunkeln Licht an usw.

    Erschütternd viele Leute fahren aber per Auto bis zur Fähre (schön blöd, Parkplatz ist teuer und es gibt auch eine direkte Bahnverbindung) oder nehmen das Auto mit bis auf die Insel (das viele Gepäck...) und mieten sich dann vor Ort ein Fahrrad. Einige erzählen fast stolz, sie seien 30 Jahre nicht mehr Fahrrad gefahren, eiern dann vom Grundstück bis an die Straße und fallen in die Dornenhecke (selber beobachtet). Die Vermieterin in dem Fall hat ihnen zum Glück die Räder wieder abgenommen. Zu gefährlich, auch für die Fahrräder.

    Aber ein Urlauber trägt ja Fahrradhelm und lässt sich nicht unterkriegen. Und so bleiern die dann 2 Wochen lang die Insel auf und ab, es gibt ja zum Glück von Süd nach Nord 2 ausgewiesene Radwege (fast ganz) ohne Autoverkehr. Da fahren sie links, sie fahren zu viert nebeneinander, sie fahren in Fußgängerzonen oder auf der Fahrbahn, trotz Fahrradweg, sie fahren sowieso in Schlangenlinien, sie sind sehr langsam (fahren aber im höchsten Gang, weil sie die Schaltung oder ihren Sinn nicht verstehen). Sie biegen auf Wege ein, ohne auch nur zu gucken. Und sowieso missachten sie all die Verkehrsregeln, auf die sie bei Radfahrern im Alltag als Autofahrer laut hupend und als Fußgänger laut zeternd bestehen.

    Wenn ich dann von hinten komme, überholen will und klingle, müssen sich erstmal alle umständlichst umgucken (warum klingle ich wohl?) und dann fallen sie entweder sofort um, oder die von rechts weichen nach links aus und die von links nach rechts. Am Ende ist der Radweg komplett versperrt und ich hätte lieber nicht geklingelt. Wenn ich aber nicht klingle und versuche, mich dran vorbei zu mogeln, fallen sie vor Schreck auch um oder zetern wenigstens lauthals.

    Und wenn sie dann irgendwo ankommen, bleiben sie erstmal im Pulk stehen und stellen ihre Fahrräder dann kreuz und quer auf Fuß- und Radwege, auf Autofahrspuren aber natürlich nicht.

    Und jetzt bin ich auf Rügen, da ist nun wirklich Autoverkehr, und die gleichen urlaubenden Autofahrer mieten e-Bikes oder haben ihre bisher völlig ungenutzten e-Bikes (die sind nur für den Urlaub gekauft, im Alltag braucht man ja doch nur das Auto) auf der Anhängerkupplung mitgebracht und fahren mit denen genauso ignorant, rücksichtslos und unfähig. Lebensgefährlich!

    Ab übermorgen sind wir auf Hiddensee, und da ist nun wirklich kein Autoverkehr, dafür um so mehr Urlaubsradler. Ich bin gespannt und ahne fürchterliches. Vielleicht sollten auf den Inseln Eignungsprüfungen eingeführt und Regeln abgefragt werden? Mit Schulkindern geht das doch auch. Aber die stellen sich vielleicht nicht ganz so dämlich an.


    Gruß (aus dem Urlaub mit Fahrrad),
    Matthias
    :klugscheisser:
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juni 2020
    kywo gefällt das.
  2. Umi

    Umi Reisefuchsforum Legende

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    1.720
    :RpS_biggrin: Rentner auf dem E-bike :daumen:.

    Ich zähle zwar auch dazu, mache aber auch solche Beobachtungen :disappointed:

    Liebe Grüße vom E-bike

    Gerhard
     
  3. Tom Yam

    Tom Yam Erfahrener Reisefuchs

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    413
    Im vergangenen Jahr konnte man ähnliche Beobachtungen in der Großstadt machen; allerdings mit E-Scootern. Diese gestretchten Kinderroller mit E-Antrieb hatten sich da zu einer regelrechten Land- oder vielmehr Stadtplage entwickelt, zumal die meistens rudelweise auftraten und ähnliche Verhaltensmuster zeigten wie von Dir geschildert. Der Hype scheint aber inzwischen vorbei zu sein. Zumindest hoffe ich das - und dass der Schwund des Phänomens nicht nur ein temporärer Corona-Effekt war.

    Jahre zuvor gab es hier in München auch geführte Stadttouren mit Segways, aber die liefen wesentlich disziplinierter ab. Das lag vielleicht auch daran, dass solches ungewohnte High Tech-Gerät dem User mehr Konzentration abverlangte und obendrein ein offizieller Rudelführer dabei war. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Lage in den Küstenregionen auch wieder beruhigt, wenn die nicht ganz freiwilligen Deutschlandurlauber wieder mehr Auslauf bekommen.

    Gruß
    Michael / Tom Yam
     
  4. masi1157

    masi1157 Reisefuchsforum Legende

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    Moin!

    Auf Amrum war das eigentlich schon immer so, auch ohne Corona, bloß die e-Bikes sind neu. Und vielleicht locken die auch noch Leute an, denen Radfahren zu anstrengend ist.

    Am schlimmsten finde ich neben deren Unfähigkeit, überhaupt geradeaus zu fahren, dass sie sich um all die Regeln nicht kümmern, die sie sonst den "Fahrradrowdies" vorwerfen, sich nicht dran zu halten. Und wenn man sie drauf anspricht, kriegt man zu hören, man solle sich nicht aufregen, es sei schließlich Urlaub.


    Gruß, Matthias
     
  5. masi1157

    masi1157 Reisefuchsforum Legende

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    3.823
    Moin!

    Wir sind nun den 3. Tag auf Hiddensee und ich bin positiv überrascht von den Fahrkünsten der Radfahrer hier. Aber vielleicht schreckt der Status dieser Insel (man muss radfahren oder läuft zu Fuß) die Nur-Autofahrer ab? Auf Rügen oder Amrum können sie zwar radfahren, sie müssen aber nicht, also probieren sie es aus, mit den beschriebenen haarsträubenden Konsequenzen.


    Gruß, Matthias
     
  6. masi1157

    masi1157 Reisefuchsforum Legende

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    3.823
    Man soll den Tag nicht vor dem Abend.....usw.

    Wir sind heute zum Leuchtturm Dornbusch gefahren, zum Glück auf dem Hinweg östlich vorbei und dann von Nord. Der Weg war relativ schlecht, wir mussten lange schieben (mit Falträdern sowieso) und oben war es voll. Auf dem Rückweg sind wir dann den Hauptweg gefahren, querliegende DDR-Betonplatten, ziemlich steil bergab und mit vielen Flugsandstellen. Bin ich froh, dass wir da nicht hochgefahren sind, bergab war's schlimm genug. Wir haben auch bergab die Fahrräder lieber geschoben.

    Aber dann wurde es flach, immer noch Betonplatten, immer noch Sand. Und die radelnden Autofahrer blieben vor jeder Sandkuhle fast stehen, zu viert nebeneinander. Meine Güte! Durch Sand fährt man zügig und in kleinem Gang, fast wie im Auto. Wir wurden mehrfach komplett ausgebremst und mussten absteigen.

    Sehr nervig! Es war aber auch die Zeit, wo alle Tagestouristen zurück zum Schiff mussten. Wir hätten wohl einfach noch 30' den Leuchtturm angucken sollen.


    Gruß, Matthias
     
  7. masi1157

    masi1157 Reisefuchsforum Legende

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    3.823
    Autofahrer in der Eisenbahn sind ja fast noch schlimmer! Vor einiger Zeit beschwerte sich jemand in einem Zug, der ein bisschen verspätet war, dass es ja überhaupt keinen Sinn mache, mit der Bahn zu fahren. Lieber würde sie wieder mit dem Auto fahren, da könne "man wenigstens mal anhalten". Bei uns führte das zu einem Lachkrampf und ist in unser Sprücherepertoire eingegangen.

    Jetzt eben in Rostock gab's ein Problem mit der Lok und auch Verspätung. Zwei Damen hinter uns schimpften, es mache ja gar keinen Sinn und lieber wieder mit dem Auto usw. Wir hielten die Luft an, und tatsächlich: "...da kann man wenigstens mal anhalten...". Wir mussten laut lachen und sie verstanden gar nichts. "Na zum essen anhalten, meinte ich. Besser als so eine Zwangspause hier." Wir fanden das immer noch viel besser als eine Zwangspause mitten auf der Autobahn, ohne Toilette und Bordbistro. Seitdem sind sie ruhig.


    Gruß, Matthias
     
  8. naturefriend

    naturefriend Reisefuchsforum Mod

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    Beiträge:
    1.754
    Braucht man ja unbedingt, vor allem bei längeren Distanzen. Also auch bei Flugreisen .
    Verpflegung und Toilletten sind egal, wichtig ist anhalten! Autofahrer finden immer einen Grund.

    Ich bin da voll bei Masi, ich habe schon seit gut 30Jahren kein Auto mehr. Ich habe es in Österreich nicht gebraucht und hier schon gar nicht. Es gibt zwar hier sehr wenig bis keinen öffentlichen Verkehr, aber die privaten Minibusse decken alles ab. Für weitere Fahrten, zb. nach Kairo, gibt es Busreisen, ähnlich den "Flixbussen" in DACH.
     

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