Türkei und Kurdistan mit einem Motorroller

Dieses Thema im Forum "Autoreisen und Motorradreisen Forum" wurde erstellt von 250er Sepp, 17. Oktober 2013.

  1. 250er Sepp

    250er Sepp Jungfuchs

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    Reisebericht Türkei und Kurdistan
    Von 17.4.2012 -- 6.5.2012

    Das Reisevideo ist zu sehen unter Multivisionsshow Türkei u Kurdistan vom 250er Sepp - YouTube

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    Es war ein kalter Tag im Januar 2012, ich saß in meiner Küche und dachte mir jetzt könntest du mal wieder eine Rollertour für das Frühjahr planen. Mir gingen Marokko und die Türkei im Kopf herum. Ich beschloss mir einen Traum zu erfüllen, nämlich die Türkei und das Kurdengebiet zu bereisen. Mein Ziel war bis zum Berg Ararat und dem Vansee quer durch die Türkei zu fahren. Ich kaufte mir Kartenmaterial und das Wörterbuch ohne Worte von Langenscheidt ( sehr zu empfehlen ). Jetzt fing ich an zu planen, die Tour sollte von Hallbergmoos nach Venedig und mit der Fähre weiter nach Griechenland führen. Dann durch den Norden Griechenlands in Richtung Türkei. Ich arbeitete eine Route über Istanbul, Schwarzmeerküste, Berg Ararat, Vansee, Kappadokien, Cap Anamur, Pamukkale und Bodrum aus. Zurück wollte ich mit dem Schiff über Kos, Piräus und das griechische Festland nach Patras . Anschließend weiter mit der Fähre nach Venedig und zurück nach Hallbergmoos.
    Meine Freunde und Bekannten sagten :“ Bist du verrückt, da „hinten“ verschleppen sie dich mitsamt deinem Roller“. Da ich auf früheren Touren schon Erfahrung gesammelt hatte dachte ich mir :“ Einen Traum sollte man auch mal leben und „da hinten“ leben auch nur Menschen“.


    Dienstag 17.4.2012
    Nachdem ich die Tour wegen schlechtem Wetter ein paar Tage verschoben hatte war es heute endlich soweit. Der Roller war bepackt und mit ca. 190 Litern Stauraum ( Topcase, Rolle, Seitenkoffer) konnte ich einiges an Ausrüstung mitnehmen. Der Startschuss erfolgte um 8 Uhr. Ich fuhr von Hallbergmoos über die Brennerlandstraße und das Pustertal in die Dolomiten. Auf dem Valparola Pass (2168m ü M) hatte es noch viel Schnee und es war sehr frisch. Weiter ging es über Belluno und Conegliano nach Venedig. Hier übernachtete ich auf dem Campingplatz Venedig, es sollte die einzige Nacht sein die ich im Zelt verbrachte.
    Wetter gut ca. 3-18 Grad Camping Venedig 21 Euro ca. 510km gefahren.

    Mittwoch 18.4.2012
    Nach der Abfahrt vom Campingplatz um 8 Uhr kaufte ich noch Reiseproviant für die Überfahrt mit der Fähre. Um ca. 10Uhr war ich im Hafen von Venedig und kaufte mir das Ticket (ca. 115 Euro) nach Igoumenitsa. Das Schiff sollte um 15 Uhr abfahren und die Fährzeit 26 Stunden dauern. Beim warten im Hafen lernte ich noch einige Leute kennen und wir genossen anschließend die Abfahrt, die Skyline von Venedig, vorbei am Markusplatz hinaus auf die Adria. Jetzt richteten wir uns in den Pullmannsitzen bequem ein und relaxten beim ratschen. Das Wetter war gut ca. 15-18 Grad. Übernachtung auf der Fähre, ca. 15km gefahren.

    Donnerstag 19.4.2012
    In der Nacht hatte es zu Regnen begonnen und ein scharfer Wind blies den ganzen Tag über. Ich verbrachte den Tag auf See mit essen, plaudern und relaxen. Gegen 18 Uhr kam das Schiff in Igoumenitsa an und es regnete immer noch. So beschloss ich am Kalami Beach,
    ca.6 km vom Hafen entfernt, zu übernachten. Den Tipp gab mir ein Mitpassagier und ich nahm mir am Kalami Beach, direkt am Wasser, ein Zimmer. Jetzt hoffte ich dass sich das Wetter Morgen bessert.
    Ankunft am Kalami Beach ca. 19Uhr. Wetter schlecht ca. 12 Grad. Zimmer 20 Euro . ca.6 km gefahren.

    Freitag 20.4.2012
    Das hoffen war umsonst es schüttete heute früh wie aus Eimern, aber irgendwann musste ich ja starten. Also Regenkombi an und hinein ins Nass. Eigentlich wollte ich über die Berge Nordgriechenlands fahren aber bei diesen Witterungsverhältnissen entschloss ich mich auf die Autobahn zufahren. Der Gewitterregen wurde immer schlimmer und nach ca. 50 km hielt ich auf der einsamen Autobahn an einem Tunnelausgang in einer Haltebucht an. Ich wollte warten bis sich das Wetter bessert. Jetzt kam mein erstes Erlebnis. Es dauerte ca. 10min und die Polizei stand neben mir und fragte mich in feinstem Deutsch ob ich nicht wisse dass man hier nicht halten darf. Ich deutete mit unschuldigem Blick auf den Regen am Tunnelausgang und entschuldigte mich. Die Polizisten sagten ich solle ihnen folgen, in dem Moment hatte ich das Gefühl das mein Geldbeutel irgendwie leichter wurde. Also fuhr ich mit Polizeischutz bis zur nächsten Abfahrt und ca. 2 km weiter zu einer Tankstelle. Der Polizist schaute aus dem Autofenster und sagte:“Hier kannst du bleiben bis das Wetter besser ist“. Die Polizei fuhr weg und mein Geldbeutel stabilisierte sich wieder. An der Tankstelle plauderte ich eine Zeit mit Lkw Fahrern und fuhr dann bei Dauerregen weiter nach Alexandroupoli. In Alexandroupoli angekommen suchte ich, nass bis auf die Haut, erstmal ein Zimmer. Anschließend trocknete ich meine Klamotten und genoss den Blick aufs Meer. Ankunft um ca. 19 Uhr. Bis zur Türkischen Grenze waren es noch ca. 40km.
    Übernachtung Santa Rosa Hotel 30 Euro. Dauerregen ca. 15 Grad. Ca. 620km gefahren

    Samstag 21.4.2012
    Um ca. 7Uhr30 war Abfahrt vom Santa Rosa Hotel in Richtung Türkei. Als ich an der Grenzstation Ibsala ankam fiel mir auf das hier viel Militärpräsenz war, alle bewaffnet und mit düsterem Blick. An der Grenze füllte ich die Einfuhrpapiere für den Roller aus und man schickte mich von einem „Inspektor“ zum anderen. Jeder hatte einen Stempel in der Hosentasche und freute sich das er meinen Reisepass schmücken durfte .Nach ca. 1Std. war ich in der Türkei. Als erstes fuhr ich in die Grenzstadt Kesan um mir Türkische Liras zu besorgen. Hier wurde ich schon das erste Mal zum Chai (Tee) eingeladen, was sich im laufe der Reise X mal wiederholen sollte. Der Weg führte dann weiter nach Istanbul. Es war schon ein Erlebnis in dieser über 14 Millionen (21Millionen mit Einzugsgebiet) Einwohner zählenden Metropole rumzukurven. Ich schaute mir den Basar an und machte Abstecher zum Topkapi Palast, der Blauen Moschee, der Hagia Sophia und der Sultan Ahmet Moschee. Irgendwann reichte mir der Trubel und ich machte mich auf den Weg zur Bosporusbrücke.
    Es war schon ein ganz besonderes Erlebnis über die Bosporusbrücke (Länge 1510m Höhe 64m) von Europa nach Kleinasien zu fahren. Nach der Überquerung blieb ich auf der Autobahn um schneller nach Düzce zu kommen, denn es wurde schon Abend. Hier in Düzce suchte ich mir ein Hotel, das beste auf meiner Reise. Im Hotel angekommen kümmerte sich sofort der Hoteldirektor persönlich um mich und ich musste ihm Versprechen das ich nach dem Duschen gemeinsam mit ihm speise. Jetzt kam wieder ein Erlebnis. Der Direktor erwartete mich schon in der Lobby und stellte mich anschließen sämtlichen Hotelgästen vor, ich war Deutscher und was besonderes, er „reichte“ mich herum wie ein seltenes Tier aus dem Zoo. Abends hörte ich den Muezzin noch rufen und sank fix u fertig in mein Bett.
    Übernachtung in Düzce 30 Euro. Wetter gut 20 Grad. Ankunft 20Uhr30. ca. 520km gefahren.

    Sonntag 22.4.2012
    Der Muezzin weckte mich bei Sonnenaufgang, das sollte die nächsten zwei Wochen so gehen, und ich machte mich fertig und fuhr nach dem Frühstück um 7Uhr30 ab in Richtung Schwarzmeerküste. Die Straßen waren teilweise schlecht und es herrschte wenig Verkehr. Am Schwarzen Meer angekommen befuhr ich eine traumhafte Küstenstraße in Richtung Sinop. Bei Zonguldak sah ich zwei riesige Frachtschiffe am Strand liegen (in meiner Fotoshow bezeichne ich sie als „Gestrandete Schiffe“) und hielt an um Fotos zu machen. Sofort kam ein Mann (Ali) auf mich zu und fragte ob ich mit ihm Chai trinke. Ali hat das ganze hier irgendwie bewacht und freute sich das er nun jemanden zum plaudern hatte. Wir hatten natürlich Verständigungsprobleme und redeten mit Händen und Füßen, wir fingen an zu zeichnen und zu malen. Der Aufenthalt bei Ali war schon was Besonderes für mich, wir waren ein bisschen Seelenverwandt. Vor der Weiterfahrt segnete mich Ali noch und wir waren beide traurig als ich weiter musste. Die Route führte nun weiter über schlechte Straßen, aber mit phantastischen Ausblicken, am Schwarzen Meer entlang über Amasra nach Sinop. Ich hatte mich mit der Zeit etwas verkalkuliert dadurch kam ich erst um 20Uhr30 in Sinop an, es war schon Dunkel und ich brauchte schnell ein Hotel. Jetzt führte mich das Schicksal zu Sami Gül (ca. 75 Jahre alt), er hatte ein kleines heruntergekommenes Hotel am Stadtrand von Sinop. An der Rezeption, wenn man das so nennen mag, sah ich einen Mann auf dem Boden liegend, in einen Teppich eingewickelt, nur der Kopf schaute raus und er schnarchte laut. In dem Raum lag ein schwerer Geruch, ich dachte vielleicht Opium oder so. Ich sagte vorsichtig: „Hallo“. Da „explodierte“ der Teppich und Sami rief laut „Allah“. Nach dem einchecken zeigte er mir das Zimmer u Etagenklo, wenn man das so nennen mag. Abends hörte ich noch wie Sami die Dusche und das Klo reparierte, wahrscheinlich war ich seit langem der einzige Gast hier. Das Zimmer kostete umgerechnet 6 Euro und ich schlief vorsichtshalber in meinem Schlafsack.
    Wetter gut 16 – 20 Grad ca. 530km gefahren

    Montag 23.4.2012
    Nachdem mich der Muezzin bei Sonnenaufgang geweckt hatte wollte ich zuerst mal zur Toilette. Jetzt kam wieder ein Erlebnis der Besonderen Art. Ich ging auf den Flur und sah dass der Sami schon den Wasserboiler eingeheizt hat. Plötzlich vernahm ich auf der ganzen Etage einen intensiven Gasgeruch. Das Duschen und den Toilettenbesuch verkniff ich mir, nur raus hier dachte ich und verzichtete auch auf die Morgenzigarette. Fluchtartig verließ ich das Hotel Sami Gül Palas in Sinop und machte mich auf den Weg nach Samsun. Auf der Fahrt nach Samsun genoss ich die Schwarzmeerküste, es ist schon eine tolle Gegend, alles sehr grün und viele Wälder. Der Nachteil (oder Vorteil) hier, es ist sehr feucht und dunstig darum kann sich der Tourismus hier nicht ausbreiten. In Samsun machte ich Rast, sofort kam eine Gruppe junger Männer auf mich zu und fragte wo ich herkomme und wo ich hinwollte, einer konnte deutsch, er ist in München aufgewachsen und wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Als ich erzählte dass die Reise in das Kurdengebiet führt machten sie Handbewegungen wie „Hals durchschneiden u Pistolenschiessen“. Der Deutsch sprechende sagte : „Fahr nicht da hin, die „da hinten“ sind alle bewaffnet und gefährlich“. Als ich mich von den Jungs verabschiedete hatte ich kurz Zweifel ob ich „da hinter“ fahren sollte. Da ich aber doch ein Abenteurer bin dachte ich soooo schlimm wird es nicht werden, das sind alles Menschen auch „da hinten“ und meine Meinung sollte sich bestätigen. Von Samsun reiste ich weiter nach Trabzon. Hier in Trabzon spürt man schon den russischen Einfluss, die georgische Grenze ist ja nicht mehr weit weg. Nachdem ich mir ein Zimmer gesucht hatte ratschte ich noch lange mit einer Hotelangestellten die schon in Deutschland gelebt hat. Ich war natürlich sehr wissbegierig und wollte alles über Ostanatolien erfahren.
    Wetter super 17 – 20 Grad. Super Zimmer ca. 25 Euro . ca. 480km gefahren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2013
  2. 250er Sepp

    250er Sepp Jungfuchs

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    Dienstag 24.4.2012
    Um 7 Uhr startete ich den Roller. Heute führte mich die Reise von der Schwarzmeerküste über das Pontische Gebirge in das Landesinnere nach Bayburt, Askale, Erzurum und weiter nach Agri. Die türkische Schwarzmeerregion bildet die Nordgrenze des asiatischen Teiles der Türkei. Die Region ist fruchtbar und für ihren hervorragenden Tee (insbesondere in der Region um Trabzon) und Honig bekannt. Ich fuhr über schlechte Straßen und mehreren Baustellen dem ersten Pass entgegen, dem Vaukdagi Pass ( 1875m ü M ). In Richtung Kurdisches Hochland wurde es immer einsamer auf der Straße, meine Weggefährten waren hauptsächlich die Lastwagenfahrer die mich häufig grüßten und hupten. Mitten in der „Prärie“ machte ich Rast an einer Tankstelle und sofort umringten mich Kunden und Personal, ich musste ihnen genaue Auskunft geben wo ich herkam und hinfuhr. Natürlich wurde wieder Chai getrunken, irgendwann musste ich mich „losreißen“ denn sie wollten mich gar nicht mehr gehen lassen. Ich war hier ein Außerirdischer. Anschließend ging es weiter zum Kop Dagi Pass ( 2409m ü M ). Von hier aus hatte ich einen grandiosen Ausblick auf die Kurdische Hochebene. Ab jetzt bewegte ich mich die nächsten drei Tage ständig auf über 1600 m ü M. Fast das ganze Kurdengebiet besteht aus Steppe, es wachsen hier keine Bäume und nur wenige Sträucher. Die Stadtdurchfahrt in Erzurum war etwas erschreckend, es waren nur Männer auf der Straße, alle dunkel gekleidet und düster blickend und die Stadt sah ein wenig heruntergekommen aus. Jetzt war ich in Kurdistan. Als ich Erzurum verlassen hatte cruiste ich auf dem „Highway“ ( 2 spurige schnurgerade ca. 300km lange Strecke ) durch die kahle aber faszinierende Landschaft in Richtung Iranische Grenze. Als es Abend wurde bog ich nach Agri ab. In Agri fuhr ich die Hauptstraße entlang und es herrschte wildes Treiben und Handeln, hunderte Blicke verfolgten mich, aber langsam hatte ich mich an die Gegend gewöhnt. Ich hielt an und war wieder von Jugendlichen umringt, alle wollten mir helfen bei der Zimmersuche und liefen wild gestikulierend vor mir her, ab jetzt war der Bann gebrochen und ich wusste die Kurden sind ein wahnsinnig freundliches und hilfsbereites Volk, was sich auf der Weiterreise immer wieder bestätigen sollte. Am Hotel fragte ich nach einer Garage für den Roller, da sagte der Hotelbesitzer:“ No Garage, hier wird nicht gestohlen“.
    Also stellte ich mein Fahrzeug mit gemischten Gefühlen am Hoteleingang ab. Um Mitternacht sah ich noch mal nach dem Roller und machte die erste Bekanntschaft mit den gefährlichen Kangals ( Kurdische Hirtenhunde ) sie streiften in Rudeln durch die Stadt und suchten Futter. Ich sah Menschen auf der Straße laufen die, sobald sie die Kangals erblickten, sofort in Hauseingängen verschwanden. Als ich ins Bett ging dachte ich noch hoffentlich erschnüffeln die Hunde nicht meine Hirschsalami die ich im Topcase deponiert hatte.
    Ankunft Agri um 19 Uhr. Wetter sehr gut ca. 20 Grad. Zimmer ca. 25 Euro. Ca. 500km gefahren.
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    Mittwoch 25.4.2012
    Früh um 6Uhr30 fuhr ich von Agri über den Ipek Pass ( 2025m ü M ) in Richtung Dreiländereck ( Türkei Armenien Iran ). Kurz nach der Passhöhe sah ich plötzlich Panzer und Fahrzeuge auf der Straße, es war die erste Militärkontrolle und es sollten weitere folgen. Die Soldaten fragten mich wo ich hin will und sagten ich solle nur in Hotels übernachten und Abends nicht raus gehen, ansonsten ist es nicht gefährlich hier. Ich fragte noch naiv ob ich ein Foto machen darf da sagte der Kommandant mit strengem Blick: „ No Foto“. Nach ein paar Kilometern tauchten dann die Umrisse vom Berg Ararat ( 5137m ü M ) in der Morgensonne auf. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, immer diesen großen Berg vor Augen, im Morgendunst Richtung Osten zu fahren. Ich dachte mir:“ Jetzt hast du dir wieder einmal einen Traum erfüllt“. Als ich in Dogubayazit ( 2200m ü M ) ankam lernte ich Hazar kennen, wir tranken zusammen Chai und er gab mir wertvolle Tipps. Von Dogubayazit machte ich einen Abstecher zum nahen Ishak Pasa Sarayi. Der Ishak Pasa Palast ist ein zwischen 1685 und 1784 erbauter burgähnlicher Palast eines osmanischen Emirs von Dogubayazit, er liegt direkt an der Iranischen Grenze und früher wurde hier Wegezoll verlangt. Das Gefühl hier oben zu stehen, der Ausblick und das Farbenspiel der Natur, kann ich nicht in Worte fassen. Kurdistan ist ein sehr armes Gebiet, aber hier im äußersten Osten leben die Ärmsten der Armen. Die Menschen hier leben in Behausungen mit ihren Tieren unter einem Dach, man kann es sich nicht vorstellen, man muss es gesehen haben. Dreiviertel vom Jahr ist es hier eiskalt und nirgendwo ein Baum oder Heizmaterial. Die Menschen trocknen den Tierkot und verheizen ihn. Vom Ishak Pasa Palast führte mein Weg zum berüchtigten Tendürek Pass ( 2644m ü M ) vorbei an winkenden Schafhirten und Siedlungen. Beim Fotohalt musste ich immer aufpassen dass mir die Kangals nicht zu nahe kamen. Ich habe bisher über 100 Pässe in ganz Südeuropa befahren, aber der Tendürek Pass ist mir der wichtigste und eindrucksvollste, er führt direkt an den iranischen Wachtürmen vorbei und ist von wilder und rauer Natur geprägt, einfach einmalig. Vom Tendürek Pass cruiste ich weiter über den Tasmali Pass ( 1860m ü M ) nach Van am Vansee. Der Vansee ist 120km lang, 80km breit und 457m tief. Er liegt auf einer Höhe von 1719m ü M im äußersten Osten der Türkei. In diesem See lebt nur eine Karpfenart und das Wasser ist so salzhaltig das es selbst im Winter bei 20 Grad minus nicht gefriert. Der Vansee ist 7-mal größer als der Bodensee. In Van machte ich Pause und ratschte wieder mit Kurden. Jetzt kam wieder ein Erlebnis. Ich erwähnte beiläufig „ Turky very good, Kurdisch very good“, da fingen sie an zu diskutieren und ich merkte das ihnen meine Äußerung „Turky very good“ nicht gepasst hat, aber es war schon über meine Lippen. Einer telefonierte und fünf Minuten später kamen zwei Anzugträger auf mich zu und begrüßten mich mit Bruderkuss, ich dachte: “Wisch dir jetzt ja nicht die Backe ab sonst werden die sauer“. Ich sah mich schon in einem Verlies in Ketten liegen. Man muss wissen dass sich Türken und Kurden nicht so „grün“ sind. Die Anzugträger unterhielten sich freundlich mit mir und ich musste noch ein Foto mit deren Chef machen, irgendwie war das eine Hierarchie. Vor der Weiterfahrt schenkten sie mir noch Cola und Eistee, sie segneten mich und wünschten gute Weiterfahrt. Am Vansee entlang fuhr ich nach Tatvan wo ich mir ein Zimmer nahm. Nach dem einchecken kam gleich noch ein Erlebnis. Ich stand in meinem Zimmer im 3 Stock, plötzlich bebte der Boden und ich kam fast aus dem Gleichgewicht. Ich dachte:“ Ist das jetzt ein Erdbeben oder war das Gute Nachtbier so stark“? ?. Als ich aus dem Fenster sah merkte ich dass nebenan ein Bagger arbeitete und die ganze Umgebung zitterte. Ich verbrachte eine unruhige Nacht in Tatvan.
    Wetter sehr gut ca. 20 Grad. Zimmer ca. 20 Euro. Ankunft ca. 19Uhr. Ca. 420km gefahren

    Donnerstag 26.4.2012
    Um 7uhr packte ich meine Sachen und fuhr um 7Uhr30 ab in Richtung Mus. In Tatvan tankte ich noch, kurdische Jungs putzten meinen Roller blitzblank und halfen mir am Geldautomaten Geld abzuheben. Kurz vor Mus sah ich eine Frau mit einem ca. 5 jährigen Mädchen am Straßenrand sitzen. Als ich näher kam sprang das Mädchen plötzlich auf und lief mir direkt vor mein Fahrzeug, mit einer Vollbremsung und einem Schlenker konnte ich gerade noch ausweichen. Die Situation war sehr komisch und ich bin bis heute der Meinung dass das Mädchen von seiner Mutter auf die Fahrbahn geschickt wurde, warum auch immer!?. Auf dem weiteren Weg sah ich am Straßenrand eine Station vom „TÜV Türk“. Als ich angehalten habe um ein Foto zumachen, kam sofort ein Mitarbeiter auf mich zu und fragte ob ich Chai trinken möchte. Also machte ich auch hier Rast und plauderte wieder mit den Kurden. Mich beeindruckte es immer wieder wie viel Gastfreundschaft ich in dieser Gegend erfahren habe. In Mus habe ich dann getankt. An der Tankstelle hatte ein Traktorhändler seine Firma, er lud mich sofort mit seinen Kunden zum Chai ein und ich musste wieder erzählen von meiner Reise. Ich kam mir vor wie ein Alien und der Chai lief mir fast schon aus den Ohren raus.
    Von Mus reiste ich weiter über den Kuruca Pass ( 1770m ü M ).Mir begegneten einige Male Kinder mit Pferd und Wagen, dann wieder fliegende Haushaltswarenhändler mit Karren und 1 PS „Antrieb“. Vor Malatya kam ich an einer Schule vorbei und wunderte mich wie weit die Kinder teilweise zur Schule gehen mussten (bis zu ca. 8km). Im Kurdengebiet gibt es die Schuluniform und ich konnte sehen wer zusammen in eine Klasse geht. Die Mädchen hatten verschiedenfarbige Röcke (je nach Jahrgang) und die Jungs verschiedene Hemden an. In Malatya, das ist ca. die Grenze Kurdengebiet – Zentralanatolien, suchte ich mir ein Zimmer und übernachtete dort.
    Ankunft ca. 19Uhr30. Wetter sehr gut ca. 20-28 Grad. Zimmer ca. 17 Euro. ca.360km gefahren.

    Freitag 27.4.2012
    Abfahrt von Malatya war heute um ca. 8Uhr und mein Etappenziel war Göreme in Kappadokien (Zentralanatolien). Am Morgen fuhr ich zuerst über den Karahan Pass ( 1800m ü M ) und weiter über den Mazikiran Pass ( 1800m ü M ). Die überwältigenden Ausblicke waren schon ein besonderes Erlebnis und ich hielt oft an um einfach nur zu sehen, fotografieren und zu geniesen. Auf den Straßen war es sehr einsam, denn zu der Zeit als ich unterwegs war kostete das Benzin umgerechnet ca. 2 Euro je Liter und die Türken fuhren meiner Meinung nach nur das was unbedingt nötig war. An diesem Tag durchquerte ich viele kleine Dörfer. Das Dorf konnte noch so klein sein aber eine Moschee war vorhanden und der Muezzin rief über Lautsprecher sein Gebet fünfmal am Tag. Es war schon ein orientalisches Flair allgegenwärtig. Nach der Überquerung vom Ziyaret Pass ( 1900m ü M ) kam ich nahe Kayseri an einem kleinen Dorf mit einer kleinen Moschee vorbei, diese gefiel mir so gut dass ich anhielt um zu fotografieren. Jetzt kam ein Anzugträger auf mich zu und gab mir zu verstehen dass ich mitkommen soll. Nachdem ich ihm über ein paar Ecken gefolgt war sah ich einen großen Pavillon in dem 7 alte Männer saßen. Die Runde begrüßte mich recht herzlich und wollte Auskunft was ich hier mache. Der Anzugträger, ich glaube das war ein Bürgermeister oder so, brachte noch Essen und Chai und wir speisten miteinander. Ich war „hin und weg“ über das, was ich in diesem Land mit seinen einmaligen Einwohnern erleben durfte. Anschließend ging es zügig weiter über Kayseri zum Göreme Nationalpark. Ich kam von Norden her über Avanos in das Tuffsteingebiet und das erste Dorf in dem ich Station machte war Cavusin. Hier bestaunte ich erstmal die durchlöcherten Felsen. Nach einer Pause entschloss ich mich in Göreme, der Hauptstadt vom Nationalpark, zu übernachten. Ich nahm mir ein Zimmer in einem Höhlenhotel, das Zimmer hatte kein Fenster aber gegenüber eine tolle Aussichtsterrasse.
    Ankunft ca. 18Uhr. Wetter super 25-30 Grad. Zimmer ca.27Euro. ca. 420km gefahren
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2013
  3. 250er Sepp

    250er Sepp Jungfuchs

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    Samstag 28.4.2012
    Um 6Uhr30 wachte ich in meiner Höhle auf. Heute stand eine Erkundungsfahrt durch Kappadokien auf meinem Plan. Kappadokien ist bekannt durch seine einmalige Vulkanlandschaft und ist seit 1985 Unesco Weltkulturerbe. Nach dem Frühstück genoss ich noch den Blick von der Aussichtsterrasse und machte mich dann auf den Weg in das Liebestal. Tja, das Liebestal, wie soll man das beschreiben. Liebestal nennen die Bewohner Kappadokiens diese Schlucht und die Assoziation wird einem augenblicklich klar. Bis zu 30 m hoch ist mancher überdimensionaler Phallus aus Stein den die Natur hier einen neben den anderen erschaffen hat, man kann auch ganz unverfänglich Feenkamine sagen, weil die Kappadokier sie für Schornsteine einer unterirdischen Geisterwelt hielten. Nach dem Aufenthalt und einer kleinen Wanderung besichtigte ich noch das Töpferzentrum von Avanos, das Pigeon Valley ( Taubental ) das Red Valley, die Burg von Uchisra, den Ort Ortahisra und die alten Tuffsteinkirchen nahe Zelve. Über Einzelheiten meiner Besichtigungspunkte zu schreiben würde zu weit führen. Tipp: Im Internet anschauen. Es ist eine einmalige Gegend hier und ich habe viele Fotos gemacht die in meiner Multivisionsshow Türkei u Kurdistan zusehen sind. Abends bin ich dann nach einem guten anatolischem Essen in mein Höhlenzimmer gekrochen.
    Wetter einfach super 27-30 Grad. ca. 80km gefahren.
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    Sonntag 29.4.2012
    Gestern Abend sagte mir der Hotelangestellte noch ich solle bei Morgengrauen auf die Panoramaterrasse gehen. Also bin ich bei Morgengrauen aufgestanden und was ich dann sah war fast wie ein Traum. Über der Tuffsteinlandschaft hingen ca. 70 Heißluftballons am Himmel und drifteten langsam über die Spitzen der Feenkamine. Die Ballone fuhren in verschiedenen Höhen und ich dachte teilweise die streifen gleich die Felsen. Das war ein einmaliger und spektakulärer Anblick den ich nie vergessen werde. Anschließend machte ich mich auf den Weg durch das Taurusgebirge nach Mersin an die Mittelmeerküste. Diese Gegend nennt man auch den „Glutofen“ der Türkei weil es hier immer am wärmsten ist. Jetzt kam wieder ein Erlebnis der Besonderen Art. Man muss wissen, in der Türkei dürfen alle Zweiräder auf allen Straßen nur 70 kmh fahren und ich fuhr pro Reisetag durch ca. 3 Radarkontrollen. Ich freute mich über die gute Straße die in Richtung Mersin führte und gab mal wieder Gas, da war es soweit, ich hab den Blitzer übersehen und war mit ca. 110 kmh unterwegs. Nach ca. 1 km wurde ich an der Kontrollstation angehalten, und nahm unschuldig blickend den Helm ab. Mein Geldbeutel rebellierte in der Hosentasche, da kam ein Polizist auf mich zu, schaute auf mein Nummernschild und sagte:“ Ah Aleman, Welkom to Turky go go go“. Der Geldbeutel entspannte sich schlagartig und ich stieg auf den Roller und fuhr, öfter auf den Tacho schauend, an die Mittelmeerküste. Von Mersin aus führte eine schlechte Küstenstraße nach Anamur, aber die tollen Ausblicke entschädigten den desolaten Weg. In Anamur angekommen nahm ich mir ein Zimmer und ging über die Straße in ein kleines Lokal. Sofort wurde ich herzlich aufgenommen und Mike bekochte mich. Nach dem Essen ratschte ich noch bis Mitternacht mit Kemal, Ameth, Mike und dem“ Patron“, wir waren schon eine lustige Runde.
    Ankunft ca. 19Uhr30. Wetter super 28-33 Grad. Zimmer ca.15 Euro. ca. 480km gefahren

    Montag 30.4.2012
    Morgens um 7Uhr30 machte ich mich auf den Weg zum Cap Anamur und besichtigte die Burgfestungsruine von Anamur. Das Cap Anamur ist der südlichste Punkt der Türkei und bei schönem Wetter kann man zu der 76 km entfernten Insel Zypern hinüber schauen. Nachdem ich Anamur hinter mir lies führte mich eine schlechte, von vielen Baustellen unterbrochene, Küstenstraße bis kurz vor Alanya. An einer Tankstelle machte ich Rast und tankte noch. Als die zwei Angestellten meinen schmutzigen Roller sahen machten sie sich sofort mit dem Hochdruckreiniger an dem Fahrzeug zu schaffen und putzten es blitzblank, ich dachte jetzt holen sie gleich noch eine Zahnbürste. Über den sauberen Roller freute ich mich sehr denn ich hatte um 13Uhr einen Servicetermin in Alanya. Als ich in Alanya ankam fand ich gleich die Werkstatt mit der ich vorher einen Termin für den Rollerservice gemacht hatte. Die Angestellten sagten dass der Roller um 17Uhr fertig sei und ich ging derweil an den Strand und relaxte an einer Strandbude. Pünktlich um 17Uhr war das Fahrzeug fertig und ich cruiste noch ca. 15 km von Alanya in Richtung Antalya. Direkt am Meer fand ich ein nettes kleines Hotel mit deutsch sprechenden Besitzern. Hier wurde ich sogar zum Essen eingeladen.
    Ankunft ca. 19Uhr30. Wetter super ca. 28 Grad. Zimmer ca. 23 Euro. ca. 140km gefahren.

    Dienstag 1.5.2012
    Heute wollte ich nach Pamukkale. 7Uhr30 war Abfahrt und ich bin über Side, Belek, Antalya zum Tahtali Pass ( 970m ü M ) gefahren. Weiter führte mich meine Reise über den Saksaganli Pass ( 1550m ü M ) nach Denizli. Von hier aus schlug ich den ca. 20 km langen Weg nach Pamukkale ein. Um ca. 13Uhr kam ich in Pamukkale an und suchte mir sofort ein Hotel. Anschließend wollte ich mir die Sinterterrassen anschauen (Eintritt ca. 15 Euro).Die Kalksinterterrassen sind seit 1988 Unesco Weltkulturerbe. In meiner Euphorie betrat ich die schneeweißen Kalksteinflächen mit den Motorradstiefeln und das Aufsichtspersonal pfiff mit Trillerpfeifen und schrie:“ No Shoes, No Shoes“. Sofort nahm ich die Schuhe in die Hand und schlenderte bar fuß an den Kalkbecken hoch zum Thermalbad. Hier oben präsentierte sich eine riesige Gastronomie und die Leute badeten in großen Naturbecken mit felsigem Untergrund. Das Wasser war glasklar und der Eintritt in die Heilbecken kostete noch mal ca.15 Euro. Nach ausgiebiger Besichtigung ging ich, an den Sinterterrassen entlang, wieder nach Pamukkale hinunter. Es ist schon phänomenal was die Natur hier hervorgebracht hat. Tipp: Im Internet ansehen (Wikipedia).
    Wetter sehr gut 26-28 Grad. Zimmer ca. 23 Euro. ca. 330km gefahren.

    Mittwoch 2.5.2012
    Der Junge vom Hotelbesitzer servierte mir um 7Uhr30 das Frühstück und danach machte ich mich auf in Richtung Aydin. Von Aydin aus ging es über wunderschöne Landstraßen weiter nach Bodrum. Mein Plan war von Bodrum mit der Fähre nach Kos überzusetzen und von Kos nach Piräus zu schippern. Als ich am Hafen von Bodrum ankam suchte ich die Fährgesellschaft und wollte ein Ticket kaufen. Ein Mitarbeiter gab mir Auskunft das die nächsten 4 Wochen nur eine Personenfähre zwischen Bodrum und Kos fährt weil die Autofähre einen Motorschaden hat. Ich dachte mir:“ Na Prost und Mahlzeit jetzt bis du hier „angetackert“ oder du kannst den langen Landweg zurück fahren“. Jetzt kam ein weiterer Angestellter dazu und schickte mich auf die andere Stadtseite von Bodrum, er sagte:“ Da fährt täglich ein Schiff, die nehmen auch Fahrräder und Motorräder mit“. Mittlerweile kochte ich im eigenen Saft bei 35 Grad Hitze und suchte nach der Fährlinie. Als ich schließlich fündig wurde erfuhr ich dass die Überfahrt morgen um 10Uhr stattfindet. Fix und fertig suchte ich mir am Spätnachmittag ein Zimmer. Der Hotelbesitzer sprach deutsch und kümmerte sich sofort um mich, er buchte mir Online das Ticket nach Kos
    (52 Euro). Abends machte ich noch einen Stadtrundgang durch Bodrum.
    Ankunft ca. 15Uhr. Wetter sehr heiß 35 Grad. Zimmer ca. 22 Euro. ca. 310 km gefahren.

    Donnerstag 3.5.2012
    Heute sollte ich die unfreundliche Seite der Türkei kennen lernen. Ziemlich früh bin ich zum Hafen gefahren damit ja alles klappt mit der Ausreise. Mein Roller stand vor einem großen Eisentor und die Fähre lag dahinter, bis sich das Tor endlich öffnete musste ich eine Nervenprobe bestehen. Die äußerst unfreundlichen Zollbeamten suchten mein Gepäck und den Roller durch. Das Gepäck wurde in einer Schleuse durchleuchtet, ich wurde am Leib durchsucht und ich dachte jetzt muss du gleich die Zündkerze rausdrehen, da wollen sie bestimmt auch hinein sehen.
    Ich wollte nicht nach USA fliegen sondern nur nach Griechenland ausreisen. Zum Schluss fehlte mir noch der Stempel auf den Ausfuhrpapieren des Rollers. Der zuständige Beamte kam und kam nicht und die Fähre voller Leute wartete nur noch auf mich, es war 10Uhr15 und das Schiff sollte um 10Uhr abfahren, ich musste mit weil nur eine Überfahrt am Tag stattfand. Endlich bekam ich den begehrten Stempel, dann schnell auf die Fähre, Klappe zu, Abfahrt. Die Überfahrt nach Kos dauerte ca. 1 Stunde. In Kos angekommen brachte ich das Fahrzeug durch den Zoll und kaufte mir erstmal ein leckeres Gyros in Kos Stadt. Nach dem essen ging ich in einen Park und relaxte auf einer Parkbank, dann kam Manfred. Er war aus Köln und machte hier alleine 4 Wochen Urlaub. In den 2 Stunden die wir zusammen plauderten hatte Manfred das Bedürfnis mir sein halbes Leben zu erzählen, er war schon ein skurriler „Kauz“. Manfred zeigte mir noch die Platane des Hippokrates. Der Arzt Hippokrates von Kos (460 v Chr. – 370 v Chr.) soll unter dem Baum seinen Schülern die Kunst der Heilkunde gelehrt haben. Demnach hätte sie ein Alter von mehr als 2400 Jahren. Hippokrates gilt als der berühmteste Arzt des Altertums und wurde schon zu Lebzeiten hoch verehrt. Nachdem ich mich von Manfred getrennt hatte fuhr ich in den Hafen von Kos und kaufte mir das Ticket nach Piräus ( 80 Euro ). Die Fähre fuhr um ca.20Uhr30 ab in Richtung Piräus und ich übernachtete in den Pullmansitzen.
    Wetter sehr gut ca. 28 – 33 Grad. Übernachtung auf der Fähre. ca. 20km gefahren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2013
  4. 250er Sepp

    250er Sepp Jungfuchs

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    14. Oktober 2013
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    20
    Freitag 4.5.2012
    Die Überfahrt nach Piräus war sehr anstrengend. Die Fährzeit Kos - Piräus betrug ca. 12 Stunden. Das Schiff war alt, es rumpelte und zitterte, irgendwie hatte ich immer den Film Titanic vor Augen. Als ich das Schiff in Piräus verlassen hatte nahm ich Kurs nach Korinth. Die Küstenstraße war schön zufahren, die Ausblicke waren umwerfend und das Wetter super, einfach toll. In Korinth angekommen schaute ich mir den Kanal von Korinth an. Auf meiner Griechenland und Kreta Reise bin ich hier auch vorbei gekommen, aber dieses Bauwerk ist es wehrt noch mal besichtigt zu werden. Der Kanal wurde von 1881 – 1893 gebaut, er ist 6346m lang, 75m (oben) 25m (unten) breit und 84m tief, (Wassertiefe ca. 8m). Von Korinth cruiste ich weiter auf der Küstenstraße nach Patras. Kurz vor Patras machte ich Rast an der Hängebrücke ( Rio – Antirrio – Brücke ) von Patras.
    Die Brücke ist 2883m lang, sie stellt die Verbindung Westgriechenland und der Halbinsel Peloponnes her. Das Bauwerk bildet den Eingang zum Golf von Korinth. Als ich durch Patras fuhr merkte ich das hier viele, nicht gerade vertrauenerweckende, Menschen aus Osteuropa herumlungerten. Ich wollte noch mein Gepäck umpacken weil abends die Fähre nach Venedig ablegte und ich eine lange Schiffspassage vor mir hatte. Ein Weg führte mich an eine einsame Stelle (dachte ich ) und ich begann den Roller abzupacken und verstreute mein Gepäck auf dem Boden um es zu sortieren. Jetzt kam wieder ein Erlebnis. Plötzlich standen 6 Kinder ( ca. 10 – 15 Jahre alt ) vor mir, sie umringten mich, fragten nach Geld und bettelten mich an. Ich gab ihnen Zigaretten und Cola aber sie gaben mir zu verstehen: „Du hast einen schönen Roller, du hast Geld“. Langsam wurde die Situation etwas brenzlig und ich ging aus dem Kreis, nahm mein Handy in die Hand und schrie: „When you not go i call the Police“. Darauf hin verschwand die Bande und ich habe meinen Roller noch nie so schnell bepackt wie in dieser Situation. Anschließend fuhr ich sofort in den Hafen von Patras und kaufte mir ein Ticket nach Venedig ( 117 Euro ). Beim warten auf die Fähre lernte ich noch 2 Paare aus Slowenien kennen, sie waren auch mit Motorrädern unterwegs. Abends um 23Uhr45 legte das Schiff ab und nahm Kurs auf Venedig. Die Nacht verbrachte ich in den Pullmansitzen.
    Wetter sehr gut 26 – 28 Grad. Übernachtung auf der Fähre. ca. 230km gefahren.
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    Samstag 5.5.2012
    Den heutigen Tag verbrachte ich auf See mit essen, schlafen, relaxen und ratschen mit den Slowenen. Die Fährzeit Patras – Venedig betrug 36 Stunden. Abends tranken wir noch selbst gemachten Sliwowitz und schliefen anschließend sehr gut.
    Wetter gut 20 – 24 Grad . Übernachtung auf der Fähre.

    Sonntag 6.5.2012
    Die Anfahrt nach Venedig war wieder mal ein schönes Erlebnis. Nachdem ich das Schiff verlassen hatte fuhr ich Richtung Dolomiten und über das Pustertal zum Brenner. Ab hier regnete es die restliche Strecke und ich war froh als ich um ca. 20Uhr zuhause in Hallbergmoos war. Jetzt war mein Abenteuer Türkei u Kurdistan beendet und ich freute mich das alles so gut geklappt hatte.
    Wetter anfangs gut später Regen 16- 20 Grad. ca. 500km gefahren.

    Die Reise könnt ihr als Video hier anschauen
    Multivisionsshow Türkei u Kurdistan vom 250er Sepp - YouTube

    Fazit : Das war ein richtiger Husarenritt. Ich hatte viel Glück, ich blieb gesund, war immer fit und der Roller hat mich wieder Heim gebracht. Ich habe viele hilfsbereite und gastfreundliche Menschen kennen gelernt. Ich werde das Abenteuer Türkei u Kurdistan nie vergessen.
    Die Bilder und Filme von der Reise könnt ihr auf meiner DVD Türkei u Kurdistan sehen.
    Danke Türkei Danke Kurdistan
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Oktober 2013

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